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Wie ist meine erste Impfung

Heute bekam ich die erste Impfung. Eine sofortige Erläuterung – hier erzähle ich von meinem persönlichen Erleben – ohne dafür und dagegen, ohne Agitation oder Kontra. An dieser Stelle lächele ich – gratuliert mir nicht und sprecht keine Kondolationen – weder heirate ich, noch gebäre ich, obwohl es sich so anfühlt, als ob heute ein ähnlich seltsames Datum in meinem Leben wäre. Ich bin ein Erzähler und alles, was mich berührt / anpickst, finde ich interessant. Irgendwann weiter vorwärts in der Zeit komme ich zurück zu dieser Erzählung. Ich hoffe sie dann beklatschen zu können. 🙂

Ich bekam eine Mitteilung der Impfzentrale Bayern, dass ich als Unterrichtende an einer Grundschule zu der Prioritätsstufe 2 gehöre und jetzt einen Termin für die Impfung mit Biontech Pfizer bekommen kann. Heute um 9.00 zusammen mit einigen Hunderten fuhr ich mit dem Auto zum Messegelände München. Riesige, hohe Gebäude, deren Eingänge jetzt durch Sperrband auf einzelne Schlangen aufgeteilt sind.
Krankenwägen, Bundeswehr, Katastrophenfallwägen, Desinfektoren, Ordnung … Wenn nicht jene Oma mit drei Hörgeräten wäre, die wie ein Maserati rechts überholend an der Schlange vorbeiflog, damit sie als Erste vor den Computern steht – als ob das Brot gleich ausgehen würde! 🙂 🙂

Die Kinderzeichnungen entlang aller schneeweißen Wände, die zu den Impfkabinen führen sind das Einzige, was fotografiert werden darf, darum mache ich meinen Artikel damit bunter. Es gibt auch ein Schild: letzte Möglichkeit vor der Impfung zur Toilette zu gehen. Aber da mit jedem gegangenen Schritt sich die Bewegungsgeschwindigkeit der Schlange aufwirbelt, folgen wenige diesem Aufruf.

Soweit ich die Schlangen heute erspüren konnte, waren in der Priogruppe 2 60-70 jährige Menschen, Lehrer und Menschen in sehr kontaktfreudigen Berufen. Bei den Gesprächen über das Feststellen der Berechtigung auf die Impfung hörte man: Grundschule, Krippe, Kita, MVV. Die jungen Lehrerinnen sehen auf eine wiedererkennbare Weise aus, finde ich. Ihre Haare hinter den Ohren, damit sie sich über Kinderhefte bücken können / oder die Gummizüge der Maske besser anzubringen. Sie sind mir die sympathischste Erscheinung.

Und die Schlangen selbst, als ob man sich am Flughafen befände. Stellt euch die riesigen Räume vor, alles mit Bändern unterteilt. Und dort, wo früher während der Food&Life-Messe die Buden für italienische Salami und griechischen Oliven waren, leuchten jetzt Lämpchen in Rot und Grün. Mitgenommen von so vielen Lichtern sah ich nicht auf Anhieb das Grüne des Lämpchens, und ein deutscher Kamerade aus den hinteren Reihen fuhr mich mit genervter Aggression zusammen: „Frau! Grün! Worauf warten Sie noch?! Wollen Sie jetzt weiter warten oder was?!“ Ich winkte ihm in vollkommener Freundschaft zu – so wie ich es mit denjenigen tue, die mich manchmal im Straßenverkehr anhupen. Und lud ihn ein vor mir zu gehen. Nicht wahr, wir stehen doch nicht vor der Bäckerei.  Die Menschen erteilen doch Impfungen 🙂 🙂

Die Unterschriften und Stempel gehen weiter, möchten sie einen Arzt konsultieren, haben Sie Fragen, wie fühlen Sie sich heute. Man kommt zu der Wasserscheide: gerade geht es zu Biontech, nach rechts zu Moderna. Das sind die beiden Impfungen, die für heute vorgesehen sind. Kurze Anfrage seitens eines älteren Paares, ob sie das vorbestimmte Rechts nicht auf Gerade wechseln dürfen, geht nicht. Die Sperrbänder führen jetzt zu Unmengen an kleinen Kabinen, in denen die Menschen von den Schlangen verschwinden.

Mir wird die schöne 13 zugewiesen. Und eine Schwester und ein Arzt, die gerade ihre Schicht antreten. Angenehm frisch und gesprächig. Anfangs zwar ohne Fragen, frage ich jetzt doch, was folgen kann. Schwindel heute, antwortet das Mädchen, starke Müdigkeit, Trockenheit und Schmerzen in der Kehle, zähe Muskeln, erhöhte Temperatur, die man mit Paracetamol bekämpft. Schade, sehr schade, anders sahen meine Pläne für Freitag aus. Aber so ist es, die Entscheidung ist meine.

Ich suche es mir aus die Spritze links zu bekommen (die rechte Seite ist meine arbeitsame), der Arzt unterschreibt mehrere Zettel. Wieviel Papier, vermerke ich. Sehr viel Papier, nickt er. Und fügt hinzu, dass all die Impfzettel in Deutschland das Leben von etwa 95 000 Bäumen kosten werden. Die Katastrophen gehen wie immer Hand in Hand. Was ist mit dem Schutz, frage ich. Nach 3 Wochen haben Sie 50 %, nach 6 Wochen folgt die zweite Impfung, nach 2 Monaten – den vollen Schutz.

Jeder Geimpfte verbringt 15 Minuten im Sitzen im nächsten Riesensaal. Zwischen den Sitzenden läuft Personal und bringt Wasser bei Bedarf. In diesem Saal geht das Crescendo mit den Kinderzeichnungen auf einer ganzen Wand weiter: ich will wieder meinen Opa besuchen,  Italien, Portugal, den achten Geburtstag, mit Freunden spielen, Schwimmbad, Zoo, Oktoberfest, Legoland, Kino, Ausflüge …

Ich trinke etwas Wasser, fotografiere das Erlaubte – die Bilder. Und begebe mich zum Auto.

Zuhause angekommen bereite ich mir ein sonniges Frühstück – mit Knoblauch und Walnüssen, weil ich ihnen am meisten vertraue 🙂
Wünscht mir Gesundheit, das wünsche ich euch auch!

 

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