Dorf Kosovo - Zuhause und unterwegs

Karadjov Felsen, die Buchen und die zitternden Beine

Durch Eichen- und Buchenwälder führen uns Forstwege vom Kreuzwald zum 1 1/2 Std. entfernten Karadjov Felsen.

Der Karadjov Felsen ist ein Felsenphänomen, bei dem ein tonnenschweres Riesenstück Fels in der engen Einkerbung zwischen zwei anderen Felsen eingekeilt festklemmt.

Jetzt weiß ich, dass der Einstieg zum Karadjov Felsen, und besonders der Ausstieg, einem die ganze Aufmerksamkeit abverlangt.


Zum ersten Mal seit geraumer Zeit spürte ich, wie mich der Adrenalinschub so stark über beide Knie schmetterte, dass ich auf halbem Wege ein kurzes Selbstgespräch hatte. Und mir Selbstbeherrschung befohlen habe.

Die Holzstufen und die Eisengeländer sind in einem unterschiedlich gutgepflegten Zustand.  Die letzten Meter, die man nur mit Hilfe von in den Felsen eingeschlagenen Löcher zum Hineintreten überwinden kann, haben meine volle Konzentration gefordert. Macht nichts – veni, vidi, vici – ich bin gekommen, habe gesehen, und die Angst überwunden 🙂

Die Aussicht, die sich vor einem nach dem Besteigen der fast senkrechten Leiter eröffnet ist atemberaubend. Der Blick ist in alle Himmelsrichtungen frei. Man sieht Belintasch und Kreuzwald, sowie so unendlich viel von den Rhodopen, wie die Augen umschließen können.

Oben angekommen gelangt man zu einem großen Aussichtsplateau, wo bei Ausgrabungen uralte thrakische Heiligtümer gefunden wurden.
Eine genugtuende Freude verspürte ich beim Wissen, dass die Einkerbungen zum Einstieg in den Felsen auch von den Thrakern gemacht wurden. Immerhin ist dann meine Angst ja historisch und nicht bloß die gemeine Scheue! : ))

Auf dem Weg zum Karadjov Felsen trafen wir auf einen Jungen, der uns sagte: „Mitten auf der Leiter spürte ich so ein Gefühl der Leichtigkeit und Zufriedenheit.“ Und warum spürte ich dann nur, wie ich an den Weg zurück denke, weiß ich nicht! :))

Man erzählt, dass hier beim Karadjov Felsen die Todesstätte des Freiheitskämpfers Karadja Voyvoda wäre. Karadya Voyvoda verteidigte seine Mitmenschen vor den Angriffen der türkischen Herrscher.

Andere behaupten, dass Karadja Voyvoda hier in der Nähe des Felsens einen unglaublichen Schatz vergraben hätte. Die Legende besagt Unheil für jeden, der es wagen würde diesen Schatz zu suchen und geschweige denn zu finden und auch mal nur eine einzige Münze davon wegzunehmen. Ich habe gelesen, dass tatsächlich kein Schatzgräber weit und breit zu sichten ist.

Heiliges rhodopisches Dreieck nennt man die drei Naturphänomene – Kreuzwald – Belintasch- Karadjov Felsen. Auf allen drei Orten wurden thrakische Heiligtümer gefunden. Man sagt, dass für unsere Urahnen Kreuzwald wie ein Spiegel des Himmlischen auf Erden war, Belintasch war ein heiliger Ort für die Verbindung zu der Welt der Lebenden und Karadjov Felsen – ein Ort für die Verbundenheit mit der Welt der Toten.

Seltene Schmetterlingsarten,


ein japanisches Hello Kitty Hut auf Stefans Kopf (das haben die Kids im Auto übrig gelassen, das trägt er:)),

und zwei weiße Baumwollhunde mit vor der Hitze ausgestreckten Zungen waren meine sanften Begleiter auf dem Weg zurück zum Auto.


Und die Buchen – sie haben Augen, haben auch Herzen. Mir gefiel der Buchenwald sehr, alt, uralt. Aus der Zeit vom Karadja Voyvoda und noch älter.

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