Blog Dorf Kosovo - Zuhause und unterwegs

Ehrenwanderung für einen Freund – Hristo aus den Kosovo Häusern

Heute liegt uns am Herzen, eine Ehrenwanderung durch das Dorf Kosovo vorzunehmen, in Erinnerung an einen Freund, Hristo Ralev, der seit schon zwei Jahren nicht mehr unter uns ist. Wir haben hier mit viel Zuneigung über ihn erzählt.
Und heute, an seinem Abschiedsdatum kommen langjährige Gäste der Kosovo-Häuser, das sympathische deutsche Paar Conny und Jens, zu Wort mit ihren persönlichen, freundschaftlichen Erinnerungen.
Im Jahr 2012 kamen sie nach Bulgarien. Es geschah auf Empfehlung des Reiseführers Dumont, in dem über ein kleines, in den grünen Hügeln der Rhodopen eingekuscheltes Dorf und Hotel erzählt wurde, dessen Besitzer mehrere Sprachen sprechen und Wanderungen anbieten. Sie lernten Hristo und Svetlana Ralevi kennen, die Seele der Kosovo Häuser.

Ein schönes Gespräch auf Englisch und Russisch war sofort zugange. Ihnen gefiel alles so schön, dass sie nicht gehen wollten. Aber, da sie sich vorgenommen hatten, jede Nacht anderswo zu verbringen, um so mehr zu sehen, verließen sie am nächsten Tag Kosovo …, und nach etlichen Strapazen auf dem Wege fanden sie sich in einem Hotel mit angestaubtem post-sozialistischem Charme wieder. Sie wechselten schnell ihren Plan und fragten an der Rezeption, ob sie telefonieren dürfen. „Gerne, wohin?“, fragte die Rezeptionistin. „Nach Kosovo“, antworteten sie und ernteten zugleich ihren verblüfften Blick. Sie kam wohl gar nicht darauf, dass es von einem Dorf die Rede war, das sich in Bulgarien befindet. :))

Unsere Freunde packten schnell und fuhren nach Kosovo zurück. Sammelten Pilze und sprachen so viel Englisch und Russisch wie sie nur konnten. Und seitdem kommen sie jedes Jahr ins Dorf. Sie sind Pilzsammler und liebten die Wanderungen mit Hristo.


Die Erinnerung an seine Kompromisslosigkeit, was die Qualität der Pilze betrifft ist für sie sprichwörtlich und bringt sie auch heute zum Lachen. Nur die von ihm so genannten „extra quality“- und „first quality“-Pilze kamen in seine Beutel.


Und wenn wir stolz eine unserer Meinung nach reiche Pilzbeute präsentierten, warf er die meisten davon in einem breiten Bogen über das Terrassengeländer mit dem Kommentar: „Ah, second quality.“ 🙂


Im Jahr 2013, das allerbeste Pilzjahr, erzählen Conny und Jens, sammelten sie mit Hristo viele Amanita caesarea, Hydnum repandum, Craterellus, Cantharellus cibarius, Amanita rubescens, Boletus edulis (von ihm als „klassischer Steinpilz“ bezeichnet), Russula heterophylla und schrieben sich alles auf.

Seine Karten noch von vor den Zeiten der GPS-Geräte, naiv, aber recht genau, liebten sie. Sie halfen über Dickicht und fehlende Markierungen hinweg. Und im Jahr, als über dem Dorf Schafe geweidet wurden, strich Hristo die Kühe auf der Karte durch und malte stattdessen fleißig Schaffiguren darüber  🙂

Wir denken sehr gerne an ihn und möchten keine Minute vermissen, die wir mit ihm verbracht haben. Er war ein besonders herzlicher Mensch, der jedem Gast das Gefühl gab, besonders willkommen zu sein. Und es macht uns stolz, dass wir viel Zeit mit ihm verbringen konnten und Freunde waren. Als er uns zum letzten mal verabschiedete, sagte er, ihr seid immer willkommen in meinem Haus.

 


Und wenn die Seelen doch niesen können, sagt Conny, dann weiß Hristo, dass wir so viel über ihn reden.
Und niest und lächelt wie früher, weil  die Kraft der Erinnerung Abschiede besiegen kann.


Fotos: Cornelia Haberland

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